Donnerstag, 28. Januar 2016

Lebensmittel aus Sojabohnen

Lebensmittel aus Sojabohnen



Sojamilch: Sojamilch darf natürlich nicht Milch heißen, weil es keine Milch im eigentlichen Sinne ist. Die Hersteller schreiben deshalb Sojadrink oder ähnliches auf die Verpackung. Heute werden in der Regel geschälte Bohnen verwendet, um den bohnigen Geschmack zu vermeiden. Die Bohnen werden geschält, geplättet und dann mit heißem Wasser zusammen gemahlen. Der Sojabrei wird dann geschleudert, damit sich die festen Bestandteile von der Milch abtrennen.
Tofu: Tofu ist das wohl beliebteste Sojaprodukt und eigentlich nichts anderes als gestockte Sojamilch.Tofu wird so ähnlich hergestellt wie Käse, allerdings entfällt der Reifeprozess, denn Tofu wird frisch verwendet. Zum Eindicken nimmt man Calciumsulfat oder Magnesiumsalz (Nigari). Die Milch gerinnt und trennt sich in Molke und Bruch. Der Sojabruch wird in perforierte Formen gefällt und gepresst, bis ein zusammenhängender Block entsteht. Tofu wird bei uns pasteurisiert und gekühlt verkauft. 
Seidentofu: Eine mit Nigari vermischte Sojamilch wird in Hartschalen versiegelt und anschließend erhitzt. Seidentofu erinnert von der Konsistenz her an Joghurt und wird gern für Dressings und Süßspeisen hergenommen. 
Tempeh: Spannend wird es bei Tempeh. Das ist eine Art veganer Schimmelkäse. Warum? Die gekochten und geschälten Sojabohnen werden von einem Edelpilz (Rhizopus oligosporus) über- und durchwachsen und dabei zu einem zusammenhängenden Stück verbunden. Sie erhalten einen weißen Überzug aus Edelschimmel. Tempeh schmeckt leicht nussig. Man isst es meist angebraten oder frittiert in Scheiben geschnitten. 
Natto: Gewöhnungsbedürftig ist Natto, eine japanische Spezialität. Ganze ungeschälte Bohnen werden weich gekocht und dann mit Bakterien versetzt, die die Aminosäuren aufschließen sollen. Japaner essen Natto traditionell zum Frühstück. Natto zieht Fäden, ist schleimig und hat einen stechenden Geruch, ist aber gut verdaulich und vitaminreich.
Sojaschnetzel: Das Ausgangsprodukt für die Herstellung von Sojaschnetzeln ist entfettetes Sojamehl. Dieses wird unter starker Hitzezufuhr gepresst, wobei es mit dem Nachlassen des Druckes aufpufft – ähnlich wie Popcorn.
Sojagranulat: Dafür werden die trockenen Sojabohnen durch Dampf sanft aufgeschlossen und dann grob geschrotet. Es ist als Hackfleischersatz beliebt.
Shoyu und Tamari: Sojasaucen sind sehr beliebt. Zu ihrer Herstellung werden gekochte Sojabohnen - allein oder mit anderen Getreiden gemischt - und unter Einwirkung von Hefen, Pilzkulturen und Milchsäurebakterien vergoren. Dieser Gärprozess dauert mehrere Jahre. Shoyu ist eine traditionelle weizenhaltige Sojasoße. Sie wird aus ganzen Sojabohnen, Weizen, Meersalz, Wasser und einer Starterkultur hergestellt. Die Starterkultur, das Koji, entsteht aus gedämpften Sojabohnen und geröstetem Getreide sowie dem Edelschimmelpilz Aspergillus oryzae. Tamari ist eine weizenfreie Sojasoße.  Deswegen enthält Tamari nach der Gärung viel weniger Alkohol als Shoyu.  Als Startferment wird Koji mit etwas Gerstenmehl verwendet. 
Miso: Die Würzpaste entsteht ebenfalls durch natürliche Fermentation mit einer Aspergillus-Pilzkultur. Es handelt sich um eine milchsauer vergorene Paste aus Sojabohnen, Kochsalz und Getreide.

Lebensmittel aus Soja: In der Regel unbedenklich


Wie bei vielen anderen Lebensmitteln gilt aber auch bei der «Wunderbohne» Soja der alte Grundsatz von Paracelsus: «Die Menge macht das Gift.» So hat zum Beispiel eine Studie der Universität Karlsruhe gezeigt, dass bei der Verdauung von Soja Zwischenprodukte entstehen, die krebserregenden Stoffen ähnlich sind.
Problematisch sind vor allem Isoflavon-Präparate – mit sojaähnlichen, aber künstlich hergestellten Isoflavonen angereicherte Nahrungsergänzungsmittel. Sie werden als Hormonersatz für Frauen in der Menopause angeboten. Isoflavone würden zum Risikofaktor, so das BfR, wenn man sie in isolierter oder angereicherter Form lange und in hoher Dosis einnehme. Denn im Körper reagieren die künstlichen Isoflavone anders als die natürlichen: Während Soja den Östrogenlevel im Blut senkt, wird dieser Effekt von künstlichen Isoflavonen nicht hervorgerufen. Mögliche Folgen: Die Funktion der Schilddrüse wird beeinträchtigt, und das Brustdrüsengewebe verändert sich. Das BfR schliesst sogar ein erhöhtes Brustkrebsrisiko im Zusammenhang mit Isoflavonen nicht aus.
Dennoch müsse man Sojaprodukte keineswegs ganz vom Speisezettel verbannen, sagt Marion Wäfler von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE). «Der Genuss von Sojalebensmitteln ist in der Regel unbedenklich. Man kann sie durchaus ab und zu auf den Speiseplan nehmen.» Ebenso wie andere Lebensmittel habe allerdings auch Soja Inhaltsstoffe, die sich sowohl positiv als auch negativ auswirken können.

Allergiker müssen aufpassen


Die SGE rät deshalb zu einem massvollen Genuss von Sojaprodukten – etwa Tofu als Beilage zu einem Gemüsecurry. Als Faustregel gilt, nicht mehr als 60 bis 100 Gramm Soja pro Tag zu konsumieren. Eine ähnliche Empfehlung gibt das Bundesamt für Gesundheit ab: höchstens ein bis zwei Portionen täglich – als Anreicherung einer ohnehin vielseitigen Ernährung.
Aufpassen müssen jedoch Allergiker, denn Sojaspeisen können zu heftigen Reaktionen führen. Und was viele empfindliche Menschen auch nicht wissen: Manche Medikamente enthalten Sojaöl oder Sojaproteine. Das Spektrum der betroffenen Arzneimittel reicht von Narkosemitteln über Antibiotika und Psychopharmaka bis hin zu einfachen Schmerzmitteln.


Erkrankung der unruhigen Beine, in der Fachsprache Restless Legs-Syndrom (RLS)

Restless Legs-Syndrom (RLS)


Wenn die Beine im Sitzen oder Liegen kribbeln, ziehen, brennen, stechen, spannen oder zucken, dann findet man keine Ruhe und spürt den unwiderstehlichen Drang, umherzuwandern – was allerdings nur kurzfristig nützt. Die Erkrankung der unruhigen Beine, in der Fachsprache Restless Legs-Syndrom (RLS), scheint heute fast so häufig zu sein wie Migräne und gilt als «unbekannte Volkskrankheit».


Restless Legs: Nachts kein Schlaf, tagsüber keine ruhige Minute


Das Restless Legs-Syndrom, bezeichnet eine Nervenstörung, deren Ursachen noch weitgehend unbekannt sind. Viele Betroffene leiden an den qualvollen Beschwerden in beiden Beinen, ohne richtig zu wissen, was mit ihnen los ist.

Typisch für die schwer zu beschreibenden Missempfindungen sind der unausweichliche Bewegungsdrang, die gravierenden Schlafstörungen und die unwillkürlichen Beinausschläge im Schlaf. Viele leiden nicht nur nachts, sondern immer dann, wenn sie stillsitzen müssen: im Auto, im Flugzeug, bei Konferenzen oder Kino- und Theaterbesuchen.

Erleichterung können sich die Betroffenen nur verschaffen, indem sie sich bewegen. Manche stehen nachts mehrmals auf, laufen herum, machen Kniebeugen, massieren, duschen oder bürsten sich die Beine. Doch hilft das alles nur, bis man sich wieder ins Bett legt oder sich hinsetzt. Die Ausprägung der Symptome kann von leichter Beeinträchtigung (z.B. nur während langer Busreisen) bis zu schwersten Beschwerden, die das alltägliche Leben der Betroffenen stark einschränken, variieren. Am quälendsten sind meistens die schweren Schlafstörungen.

Wenn «ruhelose Beine» vererbt werden


RLS-Forscher unterscheiden zwei Formen. Die primäre Form, die erblich ist und etwa 40 Prozent aller Fälle betrifft, sowie die sekundäre Form, die oft zusammen mit anderen Erkrankungen wie Arthritis, Diabetes, Lungen- und Nierenleiden, Eisenund Vitaminmangel auftritt.

Von den Ursachen der primären RLS weiss man nur, dass sie im zentralen Nervensystem liegen müssen. Die Diagnose muss oft bei einem Neurologen oder Facharzt einer Schlafklinik erstellt werden. Das Leiden kann bis jetzt nicht endgültig geheilt werden und verschlimmert sich in der Regel im Laufe der Jahre. 20 bis 50 Prozent der Betroffenen entwickeln die Symptome auch in den Armen und im Rumpf.

Da es eine Reihe von Medikamenten gibt, welche die Beschwerden lindern können, müssen Patient und Arzt ausprobieren, welches Mittel im Einzelfall am besten geeignet ist. Seit wenigen Jahren werden häufig so genannte Dopaminagonisten (auch Mittel bei Parkinson), in schwersten Fällen sogar Opiate verordnet.
Wie gesagt, wird als Ursache der Restless Legs eine vererbte Veranlagung vermutet, welche bei gewissen Patienten allein schon genügt, um Symptome auszulösen (idiopathische Form). Andere Patienten, welche die gleiche Veranlagung auch besitzen, erkranken trotzdem erst dann, wenn zusätzliche Faktoren wie z.B. eine Schwangerschaft oder ein Vitamin- oder Hormonmangel oder eine Polyneuropathie hinzukommen (symptomatische Form).

Gehäuftes Auftreten bei bestimmten Erkrankungen


Das sekundäre RLS-Syndrom tritt gehäuft bei: Eisenmangel (43% der Patienten), Schwangerschaft (27%), Nierenversagen (17 bis 40 %), Diabetes mellitus (7 bis 17 %), Rheumatoide Arthritis (25 bis 30 %), Polyneuropathie (5 %). Neben Eisenmangel wurden auch Mangelerscheinungen von Folsäure und Vitamin B12 bei Erkrankten nachgewiesen. Menschen, die unter der sekundären Form der Erkrankung leiden, haben im Allgemeinen mehr Chancen auf Besserung. Mit der Beseitigung der oben genannten Grundursachen, werden die Beschwerden geringer oder verschwinden sogar ganz, wie im Fall einer Schwangerschaft, wo sie nach der Geburt von selbst weggehen.

Hilfreiche Massnahmen bei Restless Legs-Syndrom


Neben einer eisen-, folsäure- und Vitamin B12-haltigen Ernährung gibt es ein paar weitere Tipps für RLS-Kranke.

Experten empfehlen vorsichtshalber, den Kaffeekonsum einzuschränken (obwohl dies in einer Untersuchung des Berner Inselspitals nicht bestätigt werden konnte) sowie auf Nikotin und Alkohol zu verzichten. Die Berner Forscher sprechen allerdings von einer Verstärkung der Beschwerden bei vermehrtem Alkoholgenuss und dem Verzehr von Schokolade.

Manchen hilft es, vor dem Schlafengehen ein warmes (Fuss-)Bad zu nehmen und auch im Bett die Füsse warm einzupacken, andere duschen die Beine kalt ab oder reiben die Waden mit einer kühlenden Salbe ein.

Schlafen sollten die Betroffenen in Seitenlage mit einem kleinen Kissen zwischen den Knien. Als hilfreich haben sich ausserdem tägliche Stretchingübungen am Morgen und Abend erwiesen. Manche Betroffene machen auch gute Erfahrungen mit Zinktabletten oder homöopathischen Zinkpräparaten (Zincum metallicum, Zincum valerianicum).

Schüssler’sche Mineralsalze bei Restles Legs


Auch die biochemische Mineralstofftherapie nach Dr. Schüssler kann die RLS-Beschwerden positiv beeinflussen. In Frage kommen die Salze Ferrum phosphoricum D3 bis D12 (wenn Störungen des Eisenstoffwechsels bekannt sind), Magnesium phosphoricum D6, Kalium bromatum D6 und Zincum chloratum D6.

Weitere Informationen zum Restless Legs-Syndrom


Vorträge, Konzerte,  Kinobesuche – alle Veranstaltungen, bei denen man gezwungen ist, längere Zeit ruhig zu sitzen, sind für Menschen, die unter rastlosen Beinen leiden, eine Qual.
Das Restless Legs-Syndrom (RLS) ist eine der häufigsten neurologischen Krankheiten. Wenn Bein- und Fussbeschwerden mit Einschlafund Durchschlafschwierigkeiten verbunden sind, muss auch an RLS gedacht werden. RLS-Beschwerden können in jedem Alter auftreten: etwa 40 Prozent beginnen vor dem 20. Lebensjahr und 12 Prozent gar vor dem 10. Lebensjahr. Frauen (14%) sind häufiger betroffen als Männer (6%).

Nützliche RLS-Adressen


Mittwoch, 27. Januar 2016

Niedriger Vitamin-D-Spiegel: Ursache für Restless-Legs-Syndrom?



Niedriger Vitamin-D-Spiegel mögliche Ursache für Restless-Legs-Syndrom






Mit dem sogenannten Restless-Legs-Syndrom (RLS) wird ein unwillkürliches, unangenehmes Bewegen der Beine beschrieben, das die Betroffenen oft nicht schlafen lässt. In den Industrienationen leiden bis zu 29 Prozent der Erwachsenen an einem RLS.1Einer aktuellen türkischen Studie zufolge könnte ein niedriger Vitamin-D-Spiegel das Risiko zur Entstehung des Syndroms erhöhen.


Oran M. et al. untersuchten im Rahmen der Beobachtungsstudie die Vitamin-D-Konzentrationen im Blut von 155 Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren, die unter Störungen des Bewegungsapparats und unangenehmen Gefühlen in den Beinen litten.2Bei etwa jedem zweiten der 119 Probanden, die einen Mangel an Vitamin D aufwiesen (unter 20 ng/ml), wurde RLS festgestellt. Hingegen trat das Syndrom bei der Gruppe der 36 Patienten mit normalen Vitamin-D-Werten (über 20 ng/ml) nur bei knapp 7 Prozent auf. Nicht nur waren die Probanden mit Vitamin-D-Mangel häufiger betroffen, sie empfanden auch die Symptome als schwerwiegender.


Das Forscherteam schlussfolgerte, dass ein Zusammenhang zwischen der niedrigen Vitamin-D-Konzentration und der Entwicklung eines RLS bestehen könnte. 


Eine mögliche Erklärung wäre, dass der Mangel zu einer Funktionsstörung des Dopamin (Neurotransmitter)-Systems führt – dieses reguliert die Aktivitäten von Neuronen, die unter anderem die Bewegungen steuern. Die Wissenschaftler wiesen in ihrer Arbeit auf die Notwendigkeit weiterer Studien hin, um den möglichen Zusammenhang von Vitamin-D-Versorgung und RLS abzuklären.


Das Restless-Legs-Syndrom geht mit einem unwillkürlichen und als unangenehm empfundenen Drang, die Beine zu bewegen, einher. Typisch ist das Auftreten des Syndroms abends beim Zubettgehen. Bewegen die Betroffenen ihre Beine, verschwinden die Symptome meist sofort wieder. Die neuen Studienergebnisse stehen in Einklang mit früheren Untersuchungen, die auf eine Dopamin-abhängige Dysfunktion bei Patienten mit RLS schließen lassen.3


Quellen:

1) Innes KE et al.; Prevalence of restless legs syndrome in North American and Western European populations: a systematic review; Sleep Med; 2011; 12(7): 623-634
2) Oran M et al.; Possible association between vitamin D deficiency and restless legs syndrome; Neuropsychiatric Disease and Treatment; 2014; 10: 953-958
3) Zintzaras E et al.; Randomized trials of dopamine agonists in restless legs syndrome: a systematic review, quality assessment, and meta-analysis; Clin Ther; 2010; 32(2): 221-237

Dienstag, 26. Januar 2016

Bioaktive Substanzen in pflanzlichen Lebensmitteln

Bioaktive Substanzen



Facebook Gruppe: Vitality gives you more of life, for less


Bioaktive Substanzen sind Stoffe in Lebensmitteln, die zwar keinen Nährstoffcharakter aber eine gesundheitsfördernde Wirkung besitzen. In erster Linie handelt es sich hier um die sekundären Pflanzenstoffe, aber auch die Ballaststoffe und die Substanzen in fermentierten Lebensmitteln gehören dazu. Der Begriff sekundäre Pflanzenstoffe wurde erstmals vor 100 Jahren von dem Pflanzenphysiologen Albrecht Kossel verwendet. 

Wie der Name besagt, werden sekundäre Pflanzenstoffe nur in Pflanzen gebildet. 

Primäre Pflanzenstoffe sind Kohlenstoffe (einschließlich Ballaststoffe), Proteine und Fette. Sie sind am Energiestoffwechsel und am Aufbau der Zellen beteiligt. Beim Menschen wirken sie, mit Ausnahme der Ballaststoffe, als Nährstoffe. 

Sekundäre Pflanzenstoffe kommen im Gegensatz zu den primären Pflanzenstoffen nur in geringen Mengen vor. Sie bestehen aus zahlreichen chemisch sehr unterschiedlichen Verbindungen und üben in der Regel pharmakologische Wirkungen aus. 


Sekundäre Pflanzenstoffe werden von der Pflanze u.a. als Abwehrstoffe gegen Schädlinge und Krankheiten, als Wachstumsregulatoren, als Allelopathine (chemische Abwehrstoffe gegen pflanzliche Konkurrenten) und als Farbstoffe synthetisiert. 

Als Duft - und Geschmacksstoffe beeinflussen sekundäre Pflanzenstoffe die Nahrungsauswahl des Menschen, in der Pharmazie dienen sie als Basis für zahlreiche Arzneimittel. Bis vor wenigen Jahren untersuchten Wissenschaftler fast nur die schädlichen bzw. toxischen Wirkungen von sekundären Pflanzenstoffen. 

Die ersten Hinweise auf angeblich gesundheitsschädigende Wirkungen sekundärer Pflanzenstoffe stammen überwiegend aus Beobachtungen an Nutztieren, die über Monate hinweg mit ausschließlich einer Pflanzenart ernährt wurden. 

Erst in den letzten 20 Jahren begann eine Neubewertung der gesundheitlichen Bedeutung sekundärer Pflanzenstoffe. Den früher als gesundheitsschädlich klassifizierten sekundären Pflanzenstoffen werden heute vielfältige gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben. 

Schon Hippokrates (460-370 v. Chr.) waren die pharmakologischen Wirkungen von Nahrungspflanzen bekannt, was seine Aussage: "Eure Nahrungsmittel sollen Eure Heilmittel und Eure Heilmittel Eure Nahrungsmittel sein." begründet. 


Einen besonders hohen Anteil bioaktiver Substanzen enthalten vermutlich Pflanzen, die auf einem natürlichen Boden gewachsen sind. Regionales Obst und Gemüse, welches vor der Ernte ausreifen konnte und möglichst frisch verzehrt wird, ist zu empfehlen.


Übersicht: Sekundäre Pflanzenstoffe 



Carotinoide 
Glucosinolate 
Monoterpene 
Polyphenole 
Protease-Inhibitoren 
Saponine 
Sulfide 
Chlorophyll 
Phytinsäure 
Phytosterine 
Phytoöstrogene

andere bioaktive Substanzen 

Ballaststoffe 
Substanzen in milchsauer vergorenem Gemüse












Meilenstein für Parkinson-Forschung



Meilenstein für Parkinson-Forschung




Das Protein α-Synuclein spielt bei Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Obwohl man viel über die Struktur des Proteins innerhalb der parkinsontypischen Amyloid-Ablagerungen weiß, wusste man bislang nichts über den ursprünglichen Zustand in der gesunden Zelle. Forscher am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie konnten das Protein erstmals mit Hilfe von hochauflösenden spektroskopischen Verfahren in gesunden Zellen sichtbar machen. Überraschendweise fanden sie einen strukturlosen Zustand vor. Die neuen Erkenntnisse sind ein Meilenstein für die Forschung: Jetzt weiß man, dass sich die Struktur des Proteins im Krankheitsverlauf dramatisch verändert.



Zustand des Proteins α-Synuclein in lebenden, gesunden Zellen, ... (komplette BU unten im Text)
(Zustand des Proteins α-Synuclein in lebenden, gesunden Zellen)


Zum vollständigen Artikel

https://idw-online.de/de/news644849

Montag, 25. Januar 2016

Sojareiche Ernährung verringert Atemnot

Sojareiche Ernährung verringert Atemnot




Menschen, die sich sojareich ernähren, leiden auch im Alter seltener unter Atemnot, weil sie eine bessere Lungenfunktion aufweisen. Darauf macht die Deutsche Lungenstiftung aufmerksam. Im Hinblick auf eine mögliche EHEC-Infektion sollten allerdings nur sorgfältig abgekochte Sojaprodukte verwendet werden.

Schon 75 Gramm Soja pro Tag mindern Atemnot-Probleme


Wer viel und häufig Sojaprodukte wie Tofu, Natto (vergorene Sojabohnen), Miso-Suppe (vergorene Sojabohnenpaste), Sojasprossen oder Sojamilch zu sich nimmt, so der Rat der Lungenstiftung, weist bessere Lungenfunktionswerte auf.


Das hat zum Beispiel eine Studie in Japan ergeben, die den Einfluss der Ernährungsweise auf die Lungenfunktion von über 600 Patienten mit der besonders bei Rauchern verbreiteten Lungenerkrankung COPD und Gesunden untersucht hat. "Die besten Ergebnisse erzielten diejenigen Personen, die pro Tag mehr als 75 Gramm reinen Sojas aßen", erläutert Professor Harald Morr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lungenstiftung. "Doch auch schon mit mindestens 50 Gramm Soja auf dem täglichen Speisezettel lässt sich den Forschern zufolge das Risiko für eine Erkrankung an COPD und das Erleiden von Atemnot verringern."


Auch altersbedingter Verlust der Lungenfunktion wird abgebremst


Von Atemnot sind vor allem Patienten mit einer schweren chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) betroffen. Diese unheilbare entzündliche Erkrankung der Lunge geht unter anderem mit einem krankhaft beschleunigten Lungenfunktionsverlust einher und wird zu 90 Prozent durch Rauchen verursacht. "Auf das Rauchen verzichten ist selbstverständlich der wichtigste Schritt, eine COPD zu vermeiden, beziehungsweise dem Fortschreiten dieser Erkrankung Einhalt zu bieten", betont der Lungenspezialist.


Darüber hinaus lässt sich offenbar aber auch mit einer sojareichen Ernährung der beschleunigte Verlust der Lungenfunktion abbremsen - und zwar auch bei gesunden Menschen, deren Lungenfunktion altersbedingt ebenfalls abnimmt. Bei Senioren entwickelt sich diese Lungenschwäche in der Regel allerdings viel langsamer als bei COPD-Patienten. "Bereits an COPD erkrankte Patienten sollten weniger Atemnot erleiden, wenn sie sojareich essen und trinken", sagt Morr. "Und Gesunden bietet diese Ernährungsweise eine Möglichkeit, ihre Lungenfunktion länger zu erhalten - damit ist sie eine Art Anti-Aging-Mittel."


Welche Inhaltsstoffe Soja so gesund machen, weiß man noch nicht genau. Vermutet wird aber eine antientzündliche Wirkung der in Sojaprodukten enthaltenen Flavonoide (Isoflavone) und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren).

Vitamin D, Kalzium und Phytoöstrogene und Dickdarmkrebs: Zusammenhänge

Vitamin D, Kalzium und Phytoöstrogene





Zusammenfassung

Kalizum, Vitamin D und Phyto-Östrogene reduzieren in Synergie das Risiko an Dickdarmkrebs oder Brustkrebs  zu erkranken.

Sporadische im höheren Lebensalter auftretende Tumore wie der Mamma und des Dickdarms haben bis zu ihrer klinischen Manifestation eine Latenzzeit von mindestens 20 Jahren. 


Während dieses Abschnitts können Lebensstil- und Nahrungsfaktoren ausschlaggebend sein, ob ein derartiger Tumor auftritt. 

Informationen aus Zellen, Tiermodellen und epidemiologischen Studien am Menschen weisen darauf hin, 

dass Kalzium, Vitamin D und Östrogene, obwohl auch einzeln aktiv, doch sehr effizient interagieren, um die Synthese eines physiologischen „Antikrebsfaktors“ wie Vitamin D lokal im anfälligen Gewebe zu optimieren.

Details


In einer Reihe von epidemiologischen Studien konnte eine signifikante Korrelation zwischen niedrigerer Dickdarmkarzinominzidenz und erhöhter Nahrungskalziumaufnahme sowie erhöhtem Vitamin D im Serum erbracht werden (für zusammenfassende Arbeiten siehe1,2). 


Derartige Hinweise wurden jedoch noch nicht im Hinblick auf die Prävention des Mammakarzinoms gefunden. Vielmehr fällt bei der Inzidenz dieses Karzinoms auf, dass eine viel (um das Zehnfache) geringere Inzidenz in asiatischen Ländern, in Gebieten mit erhöhtem Sojakonsum, zu finden ist.

Seit den eleganten Studien von Herman Adlercreutz in Helsinki (siehe e.g.3) ist bekannt, dass Sojabohnen in reichem Aus-maß so genannte Phyto(Pflanzen)östrogene beinhalten, die wie Serumöstrogene an menschliche Östrogenrezeptoren binden können. 


Östrogenrezeptoren (ER)-a bzw. -b sind erstaunlicherweise in vielen menschlichen Organen, auch in solchen, die nicht als Sexualhormon-abhängig definiert waren, zu finden. Während Östrogen präferenziell an den ER-a bindet, haben Phytoöstrogene eine höhere Affinität für ER-b ein Überangebot führt jedoch auch zu einem „Overspill“ auf ER-a. 

Während Stimulation des ER-a oft mit Wachstumsförderung und sogar mit Tumorentstehung in Zusammenhang gebracht werden kann, führt Stimulation des ER-b meist zu einer Wachstumsreduktion.

Nun ist zwar hinlänglich bekannt, dass das Wachstum der weiblichen Brust Sexualhormon-abhängig ist. 


Es war jedoch eine Überraschung, dass auch der menschliche Dickdarm (sowohl bei Männern wie auch bei Frauen) (phyto)-östrogen-sensitiv sein muss, da er Östrogen-rezeptoren besitzt, und zwar hauptsächlich ER-b4. 

Dies könnte zumindest zum Teil für das reduzierte Vor-kommen des kolorektalen Karzinoms in einer Soja-konsumierenden Bevölkerung verantwortlich sein.

Große randomisierte placebokontrollierte Studien über Langzeitgabe von Sexualhormonen bei postmenopausalen amerikanischen Frauen zeigten (obwohl manche dieser Daten bzw. wie sie erhoben wurden kontroversiell sind) ganz klar, dass Östrogengabe die Inzidenz des kolorektalen Karzinoms bei Frauen um ca. 30% reduziert und die des Mammakarzinoms nicht signifikant beeinfluss t5. 


Ein möglicher Wirkungsmechanismus für die Reduktion der kolorektalen Karzinom-Inzidenz war jedoch unbekannt.

Abbildung 1 zeigt eine Zusammenfassung von WHO-Daten. Ein Vergleich der Inzidenz des kolorektalen Karzinoms bei amerikanischen Frauen und Männern demonstriert den Schutz, der durch weibliche Sexualhormone entsteht. Wenn man jedoch die Inzidenz bei der japanischen Bevölkerung mit der in den USA vergleicht, so ist es offensichtlich, dass nicht nur weibliche Sexualhormone, sondern auch landesspezifische Schutzfaktoren vorhanden sein müssen, wie die in Sojaprodukten enthaltenen oben erwähnten Phytoöstrogene.



Extrarenale Synthese von 1,25-(OH)2-D3 und seine Regulation


Wie eingangs beschrieben, scheint der protektive Effekt von Vitamin D und Kalzium gegen das kolorektale Karzinom einigermaßen gesichert. Die Serumkonzentration der Vorstufe des aktiven D Metaboliten 1,25-(OH)2-D3, des 25-OH-D3, kann mit der Inzidenz des kolorektalen, und eventuell auch des Mammakarzinoms, negativ korreliert werden6. 

Die proximalen Tubulizellen der Niere mit ihrer Expression von Vitamin D Hydroxylasen sind als Syntheseort von 1,25-(OH)2-D3 bekannt. Allerdings ist diese Synthese streng reguliert, sodass das diesbezügliche Enzym, die 1a-Hydroxylase, inaktiviert wird, sobald die picomolaren Serumkonzentrationen erreicht sind, die für Aufrechterhaltung der Kalzium/Phosphathomöostase erforderlich sind. 

Dann wird das metabolisierende/katabolisierende Enzym, die 24-Hydroxylase, aktiviert. Da diese Rückkoppelung extrem stringent ist und 1,25-(OH)2-D3 zwar die Proliferation von Zellen hemmt und ihre Differenzierung fördert, aber erst bei einer nanomolaren Konzentration, war es klar, dass das im Serum befindliche 1,25-(OH)2-D3 nicht für die krebshemmende Wirkung verantwortlich sein konnte. Wir7 und andere Labors8 konnten zeigen, dass auch Kolon- und Brustzellen die Fähigkeit haben, 1,25-(OH)2-D3 zu synthetisieren, da alle notwendigen Hydroxylasen exprimiert werden können. Abbildung 2 zeigt ein Schema dieser Synthese, die sowohl renal wie auch extrarenal stattfinden kann.


Es ist vorstellbar, dass das in der Kolonmukosa oder in Brustzellen synthetisierte 1,25-(OH)2-D3 im Gewebe lokal akkumulieren könnte und dadurch die notwendige Konzen-tration für Erhaltung des normalen Wachstums und der Differenzierung vorhanden ist. Wie könnten wir jedoch eine Interaktion von Vitamin D, Kalzium und (Phyto)östro-genen in der Wachstumsregulation verstehen?


Nahrungskalzium hat zwar selbst einen wachs-tumshemmenden Effekt im Dickdarm, einerseits über Bindung und Ausseifung von irritierenden Gallensäuren, aber auch über direkte Signaltransduktion (Calcium Sensing Receptor) an der Zellmembran9. Der wachstumshemmende proapoptotische Effekt von Kalzium auf Darmzellen und damit ein Schutz vor Darmkrebs ist schon seit langem bekannt10. 

Es soll in diesem Zusammenhang nachdrücklich darauf hingewiesen werden, dass eine zu geringe Kalziumaufnahme (ca. 500?mg/Tag) in unserer Bevölkerung prävalent ist, wobei 1.200 mg/Tag optimal wären. 

Aber der Mangel an Nahrungskalzium im Kolon wirkt sich auch auf die Synthese von 1,25-(OH)2-D3aus: Wir konnten in einem Mausmodell zeigen, dass reduziertes Kalzium in der Nahrung den Abbau von 1,25-(OH)2-D3 im Kolongewebe stimuliert. 

Diese vermehrte Expression der katabolischen 24-Hydroxylase wird jedoch bei Sojagabe (oder Gabe des in Soja prävalenten Phytoöstrogens Genistein) wieder normalisiert11. Zusätzlich wirken sowohl Östrogen wie auch Genistein, aber nicht andere Phytoöstrogene, z.B. Daidzein oder dessen Metabolit Equol, sowohl in Brust- als auch in Kolonzellen stimulierend auf das synthetisierende Enzym, die 1a-Hydroxylase12. 


Östrogene können daher sowohl die Synthese von 1,25-(OH)2-D3stimulieren als auch den Abbau hemmen. Dies könnte dazu beitragen, dass sowohl im Dickdarm- wie auch im Brustgewebe mehr 1,25-(OH)2-D3 akkumuliert und dadurch eine Hyperproliferation verhindert werden kann. Schematisch ist dies in Abbildung 3 dargestellt.




 



 

1 Peterlik M und Cross HS, Eur J Clin Invest 2005; 35:290-304.
2 Martinez ME und Willett WC, Cancer Epidemiol Bio-markers Prev 1998; 7:163-8.
3 Adlercreutz H, J Steroid Biochem Mol Biol 2002; 83:113-9.
4 Campbell-Thompson M et al, Cancer Res 2001; 61:632-40.
5 Women’s Health Initiative Investigators, JAMA 2002; 288:321-33.
6 Garland CF et al, Ann NY Acad Sci 1999; 889:107-19.
7 Cross HS et al, J Steroid Biochem Mol Biol 1997; 62:21-8.
8 Zehnder D et al, J Clin Endocrinol Metab 2001; 86:888-94.
9 Kallay et al, Cancer Detect Prev 2000; 24(2):127-36.
10Garland C et al, Lancet 1985; 1:307-9.
11Cross et al, J Nutr 2004; 134:1207S-12S.

12Lechner et al, Anticancer Res, in print 2006</i>